Kompostierung ist eine der wertvollsten und nachhaltigsten Praktiken für jeden Gärtner. Durch das Recycling von organischen Abfällen schaffen Sie nährstoffreichen Humus, der Ihre Pflanzen auf natürliche Weise nährt, die Bodenstruktur verbessert und gleichzeitig Abfall reduziert. In diesem umfassenden Leitfaden erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen, um erfolgreich zu kompostieren.
Warum Kompostieren?
Kompost wird oft als "schwarzes Gold" des Gartens bezeichnet, und das aus gutem Grund. Die Vorteile der Kompostierung sind vielfältig und reichen weit über die einfache Abfallverwertung hinaus.
Erstens ist Kompost ein hervorragender, vollkommen natürlicher Dünger. Er enthält alle wichtigen Nährstoffe, die Pflanzen benötigen, und gibt diese langsam und gleichmäßig ab. Im Gegensatz zu synthetischen Düngern kann man mit Kompost praktisch nicht überdüngen.
Zweitens verbessert Kompost die Bodenstruktur erheblich. Er lockert schwere Lehmböden auf und hilft sandigen Böden, Wasser und Nährstoffe besser zu speichern. Ein kompostangereicherter Boden ist krümelig, gut durchlüftet und bietet optimale Bedingungen für Pflanzenwurzeln.
Drittens fördert Kompost das Bodenleben. Millionen von Mikroorganismen, Würmern und anderen Bodenlebewesen gedeihen in kompostiertem Material und tragen zu einem gesunden, lebendigen Bodenökosystem bei. Diese Organismen helfen, Nährstoffe aufzuschließen und Krankheitserreger zu unterdrücken.
Den richtigen Standort wählen
Die Wahl des richtigen Standorts für Ihren Komposthaufen ist entscheidend für den Erfolg. Idealerweise sollte der Kompost an einem halbschattigen Platz stehen. Zu viel direkte Sonne trocknet den Kompost aus, während zu viel Schatten den Verrottungsprozess verlangsamen kann.
Der Untergrund sollte unbefestigt sein, damit Bodentiere wie Regenwürmer leichten Zugang haben. Diese spielen eine wichtige Rolle beim Kompostierungsprozess. Wenn möglich, wählen Sie einen Platz mit direktem Erdkontakt.
Achten Sie darauf, dass der Kompost gut erreichbar ist, aber nicht zu nah am Haus oder der Terrasse steht. Ein Abstand von mindestens 5 Metern zu Wohngebäuden ist empfehlenswert. Berücksichtigen Sie auch Ihre Nachbarn – niemand möchte einen Komposthaufen direkt an der Grundstücksgrenze haben.
Offener Haufen oder Komposter?
Sie haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten: einen offenen Komposthaufen oder einen geschlossenen Komposter. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.
Ein offener Haufen ist kostengünstig und flexibel in der Größe. Sie können ihn einfach an einem geeigneten Platz aufschichten. Der Nachteil ist, dass er weniger ordentlich aussieht und Tiere angelockt werden können. Außerdem verläuft die Kompostierung etwas langsamer.
Geschlossene Komposter aus Holz oder Kunststoff sind kompakter und sehen ordentlicher aus. Sie schützen besser vor Ungeziefer und beschleunigen durch bessere Wärmeisolierung den Verrottungsprozess. Allerdings sind sie in der Anschaffung teurer und haben eine begrenzte Kapazität.
Für kleinere Gärten oder Balkone eignen sich spezielle Thermokomposter besonders gut. Diese geschlossenen Systeme beschleunigen die Kompostierung durch optimale Temperatur und Feuchtigkeit erheblich.
Was darf auf den Kompost?
Die Mischung macht's! Für erfolgreiche Kompostierung benötigen Sie eine ausgewogene Mischung aus stickstoffreichen "grünen" und kohlenstoffreichen "braunen" Materialien.
Grüne Materialien (stickstoffreich):
Zu den grünen Materialien gehören Rasenschnitt, frische Gartenabfälle, Gemüse- und Obstreste, Kaffeesatz mit Filter, Teebeutel und zerkleinerte Wildkräuter. Diese Materialien zersetzen sich schnell und liefern Stickstoff, der für das Wachstum der Mikroorganismen wichtig ist.
Braune Materialien (kohlenstoffreich):
Braune Materialien umfassen trockenes Laub, Stroh, zerkleinerte Zweige, Holzhäcksel, zerknülltes Papier und Karton. Diese Materialien zersetzen sich langsamer, sorgen aber für gute Belüftung und eine lockere Struktur.
Das gehört nicht auf den Kompost:
Fleisch, Fisch, Knochen und Milchprodukte ziehen Ratten und andere Schädlinge an und sollten nicht kompostiert werden. Auch kranke Pflanzenteile, Unkrautsamen und -wurzeln, behandeltes Holz, Hochglanzpapier, Katzenstreu und Hundekot gehören nicht auf den Kompost.
Zitrusschalen können in Maßen kompostiert werden, sollten aber aufgrund ihrer langsamen Zersetzung zerkleinert werden. Eierschalen sind ein ausgezeichneter Kalziumlieferant, sollten aber ebenfalls zerkleinert werden.
Die richtige Schichtung
Der Erfolg der Kompostierung hängt maßgeblich von der richtigen Schichtung ab. Beginnen Sie mit einer etwa 20 cm dicken Schicht aus grobem Material wie Zweigen oder Holzhäcksel als Drainageschicht. Dies sorgt für Belüftung von unten.
Darauf folgen abwechselnd Schichten aus grünem und braunem Material. Als Faustregel gilt ein Verhältnis von etwa 1:2 bis 1:3 zwischen grünen und braunen Materialien. Zu viel Grünmaterial führt zu einem nassen, stinkenden Kompost, während zu viel Braunmaterial die Verrottung verlangsamt.
Jede Schicht sollte etwa 10 bis 20 cm dick sein. Zwischen den Schichten können Sie etwas reifen Kompost oder Gartenerde streuen, um Mikroorganismen einzubringen. Diese "Impfung" beschleunigt den Verrottungsprozess.
Feuchtigkeit und Belüftung
Die richtige Feuchtigkeit ist entscheidend. Der Kompost sollte feucht wie ein ausgedrückter Schwamm sein – nicht tropfnass, aber auch nicht staubtrocken. Bei Trockenheit gießen Sie mit der Gießkanne, bei zu viel Nässe arbeiten Sie trockenes Material ein.
Auch die Belüftung ist wichtig. Mikroorganismen benötigen Sauerstoff für die Zersetzung. Umstechen oder Umsetzen Sie den Kompost alle 4 bis 6 Wochen mit einer Grabegabel. Dies bringt frischen Sauerstoff hinein und beschleunigt die Verrottung erheblich.
Ein gut gepflegter Komposthaufen riecht erdig und angenehm. Unangenehme Gerüche deuten auf Sauerstoffmangel hin – ein Zeichen, dass Sie umsetzen und eventuell trockenes Material einarbeiten sollten.
Die Kompostierung beschleunigen
Wenn Sie schneller Kompost benötigen, gibt es mehrere Möglichkeiten, den Prozess zu beschleunigen. Zerkleinern Sie alle Materialien vor dem Aufsetzen – je kleiner die Stücke, desto schneller die Zersetzung. Ein Häcksler ist dabei sehr hilfreich.
Halten Sie den Kompost konstant feucht und gut belüftet. Regelmäßiges Umsetzen alle 2 bis 3 Wochen statt alle 6 Wochen bringt deutlich schnellere Ergebnisse. Ein aktiv gepflegter Kompost kann bereits nach 3 bis 6 Monaten reif sein.
Sie können auch Kompostbeschleuniger verwenden. Diese enthalten Mikroorganismen und Enzyme, die die Zersetzung fördern. Allerdings ist dies nicht zwingend notwendig – die benötigten Organismen sind in der Regel bereits im Gartenboden und in den organischen Materialien vorhanden.
Wann ist der Kompost reif?
Reifer Kompost ist dunkelbraun bis schwarz, krümelig und riecht angenehm erdig nach Waldboden. Die ursprünglichen Materialien sollten nicht mehr erkennbar sein, abgesehen von eventuell einigen Holzstückchen.
Der Reifegrad kann mit einem einfachen Test überprüft werden: Füllen Sie Kompost in einen Topf und säen Sie schnellkeimende Samen wie Kresse aus. Keimen die Samen normal, ist der Kompost reif. Keimen sie nicht oder wachsen kümmerlich, braucht der Kompost noch Zeit.
Je nach Methode und Pflege dauert die Kompostierung zwischen 6 Monaten und 2 Jahren. Heißkompostierung mit optimaler Pflege liefert bereits nach 3 bis 6 Monaten nutzbaren Kompost. Kaltkompostierung ohne Umsetzen kann 1 bis 2 Jahre dauern.
Kompost richtig anwenden
Reifen Kompost können Sie vielseitig im Garten einsetzen. Arbeiten Sie im Frühjahr oder Herbst 3 bis 5 Liter Kompost pro Quadratmeter in die Beete ein. Bei Neupflanzungen geben Sie eine Handvoll Kompost direkt ins Pflanzloch.
Als Mulchschicht können Sie Kompost 2 bis 3 cm dick um Pflanzen herum verteilen. Dies unterdrückt Unkraut, hält den Boden feucht und gibt kontinuierlich Nährstoffe ab. Allerdings sollte der Kompost dafür sehr reif sein.
Für Topf- und Kübelpflanzen mischen Sie Kompost mit Gartenerde im Verhältnis 1:3. Für anspruchsvolle Pflanzen wie Tomaten können Sie den Kompostanteil auf bis zu 50 Prozent erhöhen.
Problemlösungen
Wenn Ihr Kompost unangenehm riecht, liegt meist ein Sauerstoffmangel vor. Setzen Sie den Kompost um und arbeiten Sie trockenes, strukturreiches Material wie Stroh oder gehäckseltes Holz ein. Auch zu viel Nässe kann die Ursache sein.
Zieht der Kompost Ratten oder andere Schädlinge an, haben Sie wahrscheinlich ungeeignete Materialien wie Fleisch oder gekochte Essensreste verwendet. Entfernen Sie diese und verwenden Sie künftig einen geschlossenen Komposter mit Drahtgitter am Boden.
Schimmelpilze auf der Oberfläche sind normal und kein Grund zur Sorge. Sie sind Teil des Abbauprozesses. Weißer, fadenförmiger Schimmel zeigt sogar an, dass die Kompostierung gut läuft. Bei starkem Schimmelbefall kann ein Umsetzen helfen.
Kompostierung im Winter
Auch im Winter können Sie weiter kompostieren, allerdings verlangsamt sich der Prozess bei niedrigen Temperaturen deutlich. Isolieren Sie den Kompost mit einer dicken Schicht aus Laub, Stroh oder Jute, um die Wärme zu halten.
Fügen Sie im Winter vermehrt braunes Material hinzu, da weniger frische Gartenabfälle anfallen. Küchenabfälle können Sie weiterhin kompostieren, sollten sie aber immer mit Laub oder Erde abdecken, um Gerüche und Schädlinge zu vermeiden.
Ein aktiv arbeitender Komposthaufen kann auch bei Frost im Kern noch Temperaturen von über 10 Grad Celsius halten. Bei sehr kalten Temperaturen ruht die Kompostierung und wird im Frühjahr automatisch wieder aktiv.
Fazit
Kompostierung ist einfacher als viele denken und bringt enorme Vorteile für Ihren Garten. Mit der richtigen Mischung aus grünem und braunem Material, ausreichend Feuchtigkeit und Belüftung sowie ein wenig Geduld produzieren Sie wertvollen Humus, der Ihre Pflanzen nachhaltig nährt.
Betrachten Sie Ihren Kompost als lebendiges System, das etwas Aufmerksamkeit, aber keine aufwendige Pflege braucht. Die Investition von Zeit und Mühe wird sich vielfach auszahlen – durch gesündere Pflanzen, besseren Boden und die Befriedigung, einen wertvollen Beitrag zum natürlichen Kreislauf zu leisten.
Beginnen Sie noch heute mit der Kompostierung und erleben Sie, wie aus vermeintlichem Abfall das wertvollste Material für Ihren Garten wird. Ihr Boden, Ihre Pflanzen und die Umwelt werden es Ihnen danken!